Dezember 12

So wird die Restentmilbung der Bienen im Winter mit Oxalsäure gemacht

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Alle Jahre wieder, vor allem um die Weihnachtszeit geht es wieder zu den Bienen, um diese mit Oxalsäure zu behandeln.

Restentmilbung nennt sich das.

Die Behandlung mit Oxalsäure sollte nur in brutfreien Phasen angewendet werden. Dazu bietet sich die kältere Jahreszeit also an. 

Anleitung Oxalsäurebehandlung

Heute erfahrt ihr, wie ich die Träufel Behandlung durchführe und was es alles zu beachten gibt.

Zustand der Völker

Die Völker sollten auf jeden Fall brutfrei sein. Das ist in der kälteren Jahreszeit meist 3 Wochen nach einer Kälteperiode der Fall. Es wird empfohlen dies stichprobenartig durch Waben ziehen zu kontrollieren.

Im Regelfall ist die beste Behandlungszeit zwischen Mitte November und bis Ende Dezember. In manchen Regionen kann es aber bereits nach der Wintersonnwende wieder zur Aufnahme des Brutgeschäftes kommen. 

Eine genaue Wetterbeobachtung ist also sinnvoll um den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. 

Witterungsbedingungen

Bei der Behandlung sollte es trocken sein und eine Temperatur zwischen 3° - 10° C herrschen. Die Bienen sollten nicht fliegen und eng in der Wintertraube sitzen. 

Idealer Zeitpunkt dafür ist Morgens. Bei mir hatte es heute, am 12.12.20 4° C und es war trocken. Die Bienen saßen eng in der Wintertraube. 

Material

Benötigtes Material zur Oxalsäurebehandlung:

Achtung: Oxalsäure ist stark ätzend! Jeder Hautkontakt mit Oxalsäuredihydrat-Lösung muss durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen wie Schutzbrille, säurefeste Handschuhe vermieden werden. 

Durchführung der Träufelbehandlung

Wenn ihr alles so weit hergerichtet habt und die Sicherheitsvorkehrungen getroffen habt, geht es ans behandeln. 

Die Oxalsäure sollte rechtzeitig in ein Wasserbad zum anwärmen gestellt werden. Diese sollte handwarm sein.

Die eingesetzte Menge Oxalsäure hängt von der Volksstärke ab. Ihr solltet also zunächst das Volk vorsichtig öffnen und schauen wie viele Wabengassen besetzt sind. 

Die Dosierung ist in der Gebrauchsinformation mit 5 - 6 ml pro Wabengasse angegeben, dies entspricht:

30 ml für ein kleines Volk
40 ml für ein mittleres Volk
50 ml für ein großes Volk

Sobald ihr die Volksstärke ermittelt habt könnt ihr die handwarme Oxalsäure mit der Spritze aufziehen. 

Die Oxalsäure wird dann mit der Spritze und Kanüle (alternativ geht auch ein kleiner Schlauch) gleichmäßig auf den Bienen verteilt. 

Oxalsäurebehandlung Nahaufnahme

Bei zweizargigen Völkern sollte die obere Zarge abgenommen werden, um die Bienen in beiden Zargen zu beträufeln. 

Wichtig: Die Oxalsäurebehandlung darf nur einmal durchgeführt werden. Eine zweite Behandlung schwächt die Völker sehr stark und führt wahrscheinlich zum Verlust. Der letzte Termin für die Behandlung ist der 31.12. Danach darf nicht mehr behandelt werden, wenn du im nächsten Jahr von diesem Volk Honig ernten möchtest.  

Kontrolle des Milbenfalls

Die Kontrolle des Milbenfalls erfolgt über die zuvor eingelegte Windel. Dieser hält 7 - 14 Tage an, kann aber auch mal 3 Wochen dauern. 

Wirkung der Oxalsäure

Die Oxalsäure wirkt bei direktem Kontakt auf die Varroamilben. Durch den Zucker haftet die Lösung auf den Bienen und wird so weitergegeben. Deswegen ist es auch wichtig die Bienen zu beträufeln und nicht die Waben.

Ein Teil der Säure durchdringt dabei die Haut der Bienen und kann auch einen längeren Zeitraum über die Hämolymphe und im Verdauungstrakt nachgewiesen werden.

Sonderfall Verdampfung

In Deutschland verboten, in Ländern wie Österreich oder der Schweiz darf die Oxalsäure auch mit speziellen Verdampfern angewendet werden. 

Honig genießen

Nun sind die arbeiten an den Bienen, bis auf die Kontrolle des Milbenfalls dieses Jahr beendet. Es sei denn man hat noch Rähmchen zu drahten

Neben dem Honigverkauf steht jetzt also auch der Genuss an. 

Wohlverdient.

Habt ihr Eure Bienen schon behandelt? Was ist Euer Lieblingsrezept mit Honig?

Erzählt mir davon in den Kommentaren. 

Herzliche Grüße aus Neu-Ulm wünsch Euch

Jochen

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Tags

behandlung, oxalsäure, restentmilbung


Jochen

Über den Autor

Hi, ich bin Jochen und helfe angehenden Imkern mit meinem Blog "Let it Bee - Geschichten eines Imkers" bei den verschiedensten Fragen zur Imkerei.

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    • Hallo Viktor,

      mit Melezitose Honig habe ich bisher glücklicherweise noch keine Erfahrungen sammeln können. Vielleicht kann da ein anderer Leser näher darauf eingehen.

      Herzliche Grüße

      Jochen

  • Hallo, wieder toller Beitrag…..
    Behandlung habe ich noch nicht gemacht soll am 20/21.12 geschehen.
    Lieblingsrezepte eingelegter Ingwer oder Knoblauch sonst nur Pur.

    LG
    Mori

  • Danke für Deine Anleitung! Meines Wissens ist die Behandlung von Bienen durch Oxalsäureverdampfung laut Arzneimittelgesetz “nicht zugelassen”. Kannst Du mir das Gesetz oder die Verwaltungsverordnung nennen, die eine Bekämpfung der Varroa-Milben durch Verdampfung verbietet, wie Du schreibst? Das Arzeimittelgesetz kann es nicht sein, da es sich nicht um eine Krankheitsbehandlung der Bienen mit einem Medikament, sondern um die Bekämpfung von Schädlingen mit einem Insektizid handelt.

  • Wolfgang Kloss
    14. Dezember 2020

    Danke für den Link.
    Es ist also genau so, wie ich dachte: da es sich bei Oxalsäure nicht um ein Medikament handelt, sondern um ein frei verkäufliches Mittel mit dem man auch Milben an Bienen bekämpfen kann, fällt diese Anwendung nicht unter das Arzneimittelgesetz, egal in welcher Form es angewendet wird. Die OS-Verdampfung wird in Deutschland nie zugelassen werden, weil niemand eine Zulassung als Arzneimittel beantragt! Wozu auch!?

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